Die jungsteinzeitliche Besiedlung der Altenburg

Während der Ausgrabungen 1905 bis 1913 wurden auch Funde der Jungsteinzeit (Neolithikum) geborgen, doch erst lange nachher als solche erkannt. Neuerliche Forschungen ab 1990 bestätigten, dass zur Zeit der Michelsberger Kultur (4200 – 3500 v. Chr.) die Altenburg besiedelt war. Typische Keramik und Steingeräte dieser zeit fanden sich in Abfallgruben auf der so genannten Grünen Platte und am Abhang des Dörnköpfchens. Gruben mit großen Mengen von Hüttenlehm, dem Wandbewurf der Häuser, lassen auf eine Brandkatastrophe schließen, der eines oder mehrere Häuser zum Opfer fielen. Die Siedlung wurde danach aber nicht aufgegeben.

Bislang konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob ein teil der vorhandenen Befestigungen neolithisch datiert oder ob die laténezeitlichen Wällen teilweise auf ältere aufbauen.

Neben der Altenburg sind weitere Höhensiedlungen der Michelsberger Kultur in Nordhessen bekannt. Dazu gehören z.B. der Büraberg bei Fritzlar und der Dörnberg bei Zierenberg (Eco Pfad Archäologie Dörnberg). Dazu kommen Erdwerke wie in Felsberg-Wolfershausen oder Edertal-Bergheim und weitere Flachlandsiedlungen. Über die Funktion der Erdwerke und das Verhältnis von Flachland- zu Höhensiedlungen ist bislang nur wenig bekannt.

Die Untersuchungen der Pflanzen- und Knochenreste zeigen, dass die Bauern der Michelsberger Kultur verschiedene Getreidesorten anbauten (Emmer, Einkorn, Nacktweizen, Gerste) und Haustiere hielten, aber auch auf die Jagd gingen. Auffällig ist das vermehrte Vorkommen von Pferdeknochen ab dem 4. Jahrtausend. Es dürfte sich hier um Wildtiere handeln, da das Pferd wahrscheinlich erst am Ende des Neolithikums (um 200 v. Chr.) domestiziert wurde.

Die Michelsberger Kultur (4200 – 3500 v. Chr.)

Die Michelsberger Kultur ist ein Abschnitt der Jungsteinzeit (Neolithikum) und wurde nach einem Fundplatz bei Untergrombach Kr. Bruchsal (Baden) benannt. Als typische Merkmale gelten ihre Keramikformen: Tulpenbecher, knickwandschalen, Backteller, Ösenkranz- und Ösenleistenflaschen. Außerdem gehören spitznackige Steinbeile und Klingen sowie Spitzen aus Feuerstein zum Formenbestand.

Das Verbreitungsgebiet der Michelsberger Kultur reicht vom Bodensee über Südwestdeutschland, das Rheintal, Nordhessen, Westfalen, die südlichen Niederlande und Belgien bis Nordostfrankreich.